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Wie steht es um den Ärztemangel in Deutschland?

Eigentlich gibt es in Deutschland genügend Ärzte, sogar mehr, als jemals zuvor. Dennoch haben viele Patienten das Gefühl, nicht optimal versorgt zu werden und gerade auf Termine zu lange warten zu müssen. Grund ist auch die veränderte Lebenswirklichkeit der Mediziner, die nicht mehr alles außer den Beruf hintenanstellen.

Wie wird der Bedarf an Ärzten eigentlich ausgerechnet?

Wie viele Ärzte braucht eine Gegend? Diese Frage beantworten die Krankenkassen und die Kassenärztlichen Vereinigungen anhand einer Bedarfsplanung, die 2013 in Kraft getreten ist. Sie besagt zum Beispiel, dass ein Hausarzt 1671 Einwohner versorgen soll.

Doch wie entwickelt sich die Bevölkerungszahl in der Zukunft? Das wird anhand des Demographie Faktors versucht zu ermitteln, sodass im Voraus geplant werden kann. Doch immer mehr Hausärzte gerade auf dem Land haben Schwierigkeiten, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden, obwohl die Zahl der der berufstätigen Ärzte 1990 von 240.000 auf 370.000 gestiegen ist. Die Gründe dafür liegen in den Menschen selbst.

Die Patienten haben sich verändert

Aufgrund des demographischen Wandels gibt es in Deutschland immer weniger Kinder und immer mehr alte Menschen, die wesentlich öfter einen Arzt benötigen. Gerade weil die medizinische Versorgung gut ist, steigt die Lebenserwartung, und damit auch die Zeitspanne, in der Ärzte benötigt werden. Mediziner sind dadurch häufig zum Beispiel in Altenheimen im Einsatz, um die Menschen dort zu versorgen – in dieser Zeit können sie natürlich nicht in der Praxis sein.

Auf der anderen Seite gibt es gerade bei jüngeren Menschen eine große Verunsicherung, was Krankheiten betrifft. Auch bei kleinen Symptomen wird Google befragt, was häufig in einer potenziell schlimmen Diagnose und damit in Angst endet, die der Hausarzt beseitigen soll. Das Wissen um Hausmittel wird hingegen immer weniger, und der Arzt wird öfter aufgesucht, als es früher der Fall war.

Im Durchschnitt geht jeder Deutsche 17 Mal pro Jahr zum Arzt. So wird der Hausarzt auch bei Kleinigkeiten mehr als einmal kontaktiert, ebenso für Krankschreibungen. Doch es sind nicht nur die Patienten, die sich verändert haben, was aufgrund der gestiegenen Anzahl praktizierender Ärzte keine Erklärung für den gefühlten Ärztemangel bieten würde – auch die Ärzte haben heute ein gänzlich anderes Leben, als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Ärzte leben heute ein anderes Leben

Früher war es ganz normal, dass ein Arzt 80 Stunden und mehr pro Woche gearbeitet hat. Das konnte er tun, weil er zu Hause meist eine Partnerin hatte, die sich um die Familie gekümmert hat und ihm den Rücken freihielt. Heute sind diese Partnerinnen selbst Ärztinnen und wollen nicht mehr ihr ganzes Leben für den Beruf opfern. Mediziner arbeiten heute in der Regel deutlich weniger Stunden als früher.

Ärztinnen gehen in den Mutterschaftsurlaub und wollen nach der Arbeit für ihre Kinder da sein. Das wirkt sich aus, gerade weil heute 70 Prozent der angehenden Allgemeinärzte Frauen sind. Zudem gehen ältere Kollegen immer häufiger mit 63 in Rente, so wie es die Politik empfiehlt. Es braucht also insgesamt mehr Ärzte, um den ohnehin erhöhten Bedarf zu stillen.

Die eigene Praxis kommt aus der Mode

Während früher die eigene Praxis ein erstrebenswertes Lebensmodell darstellte, hat sich das deutlich verändert. Nicht wenige Ärzte verkaufen ihre Praxis und arbeiten eventuell als Angestellte beim neuen Besitzer. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass der bürokratische Aufwand und auch das zu tragende Risiko in der eigenen Praxis immens gestiegen sind.

So müssen Ärzte beispielsweise, bevor sie einen Patienten in das Krankenhaus einweisen können, eine Reihe an Informationen eruieren, was zu einem erhöhten Arbeitsaufwand führt. Demzufolge sinkt die Zahl der Ärzte, die sich niederlassen wollen, und die Anstellung in einem Krankenhaus winkt als verlockende Option.

Es sind besonders die Krankenkassen, die den niedergelassenen Ärzten das Leben durch bürokratische Vorgaben und steigende Einmischungen schwer machen, wie eine Befragung von 80.000 Kollegen ergab, von denen 20.000 sich sogar die Mühe gemacht haben, ihre Sorgen und Nöte detailliert darzulegen.

Kann mehr Digitalisierung eine Lösung sein?

Ob digitale Lösungen den Ärztemangel auffangen und zu einer besseren Versorgung führen können, ist seit einiger Zeit konkret im Gespräch. So gibt es Überlegungen, mit Telemedizin den Bedarf zum Teil aufzufangen und so zu einer Lösung beizutragen.

Doch wie können Patienten schon heute bessere Möglichkeiten finden, bevor die Digitalisierung in der Medizin endgültig Einzug gehalten hat? Eine mögliche Lösung liegt tatsächlich im Internet und in einem besonderen Angebot, das zeitsparend und praktisch klingt.

Es ist der Fernarzt, der Rezepte ohne Wartezeiten ausgibt und damit gerade die Personen entlasten kann, die sich regelmäßig bestimmte Medikamente verschreiben lassen. Wer also nur zum Arzt unterwegs ist, um ein Rezept ausgestellt zu bekommen, der kann mit dem Fernarzt eine Menge Zeit sparen, denn er muss sich nicht ins Wartezimmer setzen, sondern kann alles praktisch über das Internet erledigen.

Fakt ist eines: Im Gesundheitswesen muss sich etwas ändern. Es gibt schon heute zu viele Patienten, die mit der Versorgung durch ihren Arzt nicht zufrieden sind, und auf der anderen Seite zu viele Ärzte, die unter der Bürokratie leiden und den Spaß an ihrem Beruf verlieren.

Inwieweit die Digitalisierung bei diesen Änderungen in der Zukunft eine Rolle spielen wird, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Sie könnte unter anderem dazu eingesetzt werden, um den bürokratischen Aufwand für die Ärzte zu senken, die sich dann wieder auf das Wesentliche konzentrieren können: ihre Patienten.

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