Herzinsuffizienz – Symptome, Behandlung und Verlauf

Wer vom Arzt die Diagnose Herzinsuffizienz bekommt, ist wahrscheinlich erst einmal etwas überfordert. Denn in den meisten Fällen übersetzen die Betroffenen den Begriff mit ‚Herzschwäche‘ für sich selbst. Doch das ist nicht so ganz richtig. Was genau ist das eigentlich? Wie kann man es möglichst erträglich machen und gibt es Behandlungsoptionen? Zudem: Wie erkennt man überhaupt, dass man selbst betroffen ist? All diese Informationen haben wir nachfolgend zusammengetragen und möchten über das Thema Herzinsuffizienz informieren.

Was genau ist eine Herzinsuffizienz?

Auch wenn es erst einmal hart klingt; in der Medizin bezeichnet man die Insuffizienz des Herzens auch als mangelhafte Organfunktion. Innerhalb Europas wird von etwa 10 Millionen Betroffenen ausgegangen.

Das Herz als Organ hat die Eigenschaft, das durchfließende Blut mit Sauerstoff anzureichern. Dieser Prozess ist wichtig, weil die umliegenden Organe, die man auch als Peripherie bezeichnet, dieses brauchen. Pumpt das Herz jedoch nicht so wie es eigentlich soll, wird weniger Blut mit Sauerstoff angereichert und führt dementsprechend zu Problemen in den umliegenden Organen.

Gefördert wird dieser Zustand zusätzlich durch allgemeine Herzerkrankungen als auch Lungenkrankheiten. Allerdings wird die Herzinsuffizienz allgemein in eine akute und chronische Verlaufsform unterteilt. Als Ursache werden unterschiedlichste Faktoren angesehen. Mit dazu kann ein steigendes Alter gehören, ebenso vorangegangene Krankheiten, insbesondere alle Arten von Krebs.


Die Diagnosestellung – Wie läuft so etwas ab?

Wer den Verdacht hat, unter Herzinsuffizienz zu leiden, dem wird eine Diagnosestellung sprichwörtlich ans Herz gelegt. Hierbei geht man als Betroffener mehrere Schritte, anhand dessen die Faktoren der Form als auch das Stadium festgelegt wird. Zur Diagnostik gehören:

  • körperliche Untersuchung
  • UltraschallRöntgenaufnahmen
  • MRT
  • Labordiagnostik

Schon bei der körperlichen Diagnostik können einige klinische Zeichen gedeutet werden. Kommt es beispielsweise zu Rasselgeräuschen über der Lunge oder wird eine Kardiomegalie festgestellt, geht man zur Ultraschalluntersuchung über. Hierbei wird eine schnelle und möglichst ohne Risiko behaftete Untersuchung vorgenommen, um die Herzmuskelfunktion zu testen.

Auch Herzbeutel und Herzklappen stehen im Fokus. Die anschließende Röntgenuntersuchung sichert Herz und Lunge ab. Bei einem fortgeschrittenen Fall sind hier beispielsweise Erweiterungen der Lungenvenen erkennbar. Im MRT wird die Anatomie des Herzens näher unter die Lupe genommen. Spätestens mittels dieser Untersuchung ist eine sehr viel bessere Abschätzung der Krankheit möglich.

Mit dazu gehört selbstverständlich auch die Labordiagnostik, bei der jedoch hauptsächlich die Ursachen näher untersucht werden. Niereninsuffizienz oder Elektrolytstörungen werden hierbei festgestellt und dienen dazu, weitere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen.

Die akute und chronische Herzinsuffizienz im Überblick

Wenn von einer akuten Form die Rede ist, hat diese sich meistens innerhalb von Stunden oder Tagen entwickelt. Ursachen hierfür gibt es viele. Dazu gehören:

  • zu hohe oder niedrige Herzfrequenz
  • Behinderungen innerhalb der Herzkammern
  • unvermittelt auftretende Probleme der Herzklappen
  • Herzmuskelentzündung, die akut oder schwer verläuft
  • Embolie der Lunge
  • Herzinfarkt und somit plötzliches Aussetzen der Pumpfunktion

Die chronische Form dagegen ist nicht eben plötzlich vorhanden. Sie entwickelt sich über Monate oder Jahre hinweg und sehr gut daran zu erkennen, dass sich innerhalb des Herzens Kompensationsprozesse entwickeln. Das heißt, der Herzmuskel ist verdickt, das Herz schlägt schneller oder die Blutgefäße verengen sich. Häufig gehen auch mit dieser Form des Verlaufs Wasseransammlungen einher.


Ein weiteres Kriterium, welches man bei der Diagnosefindung einbezieht, ist die Seite des Herzens, die besonders betroffen ist. Denn in der Regel ist entweder die linke oder rechte Seite betroffen, seltener beide Seiten.

Klassifizierung bei der Diagnosestellung

Wer sich bereits innerhalb der Diagnosestellung befindet, wird außerdem klassifiziert. In manchen Fällen schränkt die Insuffizienz den Betroffenen nicht ein, die Entwicklung ist noch relativ annehmbar. Ferner kommt es bei manchen Menschen zu leichten bis schweren körperlichen Beschwerden. Die Klassifizierung wurde von der New York Heart Association (NYHA) als auch der American Heart Association (AHA) herausgegeben und wird in NYHA I bis IV sowie Stadium A bis D einsortiert.

Die Unterscheidung nach zwei Formen

Neben der Klassifizierung wird außerdem noch in Formen unterschieden:

  1. Pumpschwäche
  2. Füllungsstörung

Bei der Pumpschwäche ist häufig die linke Kammer des Herzens betroffen. Man spricht hier auch von einer systolischen Herzinsuffizienz. Die Menge des gepumpten Blutes liegt dabei meistens unter 40 Prozent, während ein gesundes Herz zwischen 50 und 70 Prozent pumpt. Die Füllungsstörung hingegen wird als diastolische Herzinsuffizienz bezeichnet. Eine Kombination beider Formen kann ebenso auftreten.

Die Symptome einer Herzinsuffizienz

Eine Frage, die sich vielen stellt, befasst sich mit der Symptomatik, die sich bei einer Insuffizienz des Herzens zeigt. Diese können jedoch sehr unterschiedlich sein. Typische Zeichen dafür sind:

  • geringere Leistungsfähigkeit
  • raschere Ermüdung
  • Atemlosigkeit, insbesondere bei Belastung
  • Flüssigkeitseinlagerungen in Füßen, Knöcheln oder Unterschenkeln
  • Gewichtszunahme trotz unverändertem Lebensstil
  • Schlafprobleme
  • Husten
  • schnellerer Herzschlag
  • blasse Haut und kalter Schweiß

Flüssigkeitseinlagerungen lassen sich sehr leicht daran erkennen, dass sich beispielsweise die Sockenränder abzeichnen. Man nimmt ordentlich an Gewicht zu, obwohl sich im Leben nichts verändert hat. Außerdem gerät man schneller außer Atem. Zunächst nur bei stärkeren Belastungen, später sogar innerhalb von Ruhezuständen. Viele Betroffene kämpfen auch mit Schlafstörungen, weil sie häufiger aufwachen, um sich auf der Toilette zu erleichtern. Ganz gleich ob akut oder chronisch: Bei einem Verdacht ist die Verständigung des Notarztes immer empfehlenswert.

Die Behandlung der Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz wird auf zweierlei Arten behandelt: Entweder über einen operativen Eingriff, oder aber mit Medikamenten. Die nachfolgenden Absätze sollen beide Behandlungsformen näher beleuchten.

Mögliche operative Eingriffe zur Behandlung

Was man zunächst klarstellen sollte: Eine chronische Herzschwäche ist in der Regel oft nicht heilbar, aber sie lässt sich behandeln. Kommt es zu einer akuten Form, ist diese noch besser in den Griff zu kriegen. Allerdings sind beide Formen nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Eine gute Behandlung hingegen kann die Lebensqualität deutlich verbessern.

Bei der Behandlung ist es immer ausschlaggebend, was genau nicht mehr normal funktioniert. Eine kranke Herzklappe wird beispielsweise mittels Operation behandelt. Meistens arbeitet man hier mit einem Herzklappenersatz. Die Operation ist inzwischen so fortschrittlich, dass nicht mehr am offenen Herzen gearbeitet werden muss, sondern die OP über die Leistenvene erfolgt. Sind Herzkranzgefäße verengt, wird mit einem Herzkathetereingriff gearbeitet.

Medikamentöse Behandlung der Insuffizienz

Was genau ist eine Herzinsuffizienz?
Was genau ist eine Herzinsuffizienz?

Eine Alternative für den operativen Eingriff, welche jedoch auch vom Schweregrad der Erkrankung abhängig ist, ist die Behandlung mit Medikamenten. So gibt es inzwischen gute Präparate, welche das Herz deutlichen entlasten können und den Verlauf deutlich begünstigen.

In der Regel arbeitet man hier mit sogenannten ACE-Hemmern als auch AT1-Rezeptorantagonischen, welche den Bluthochdruck regulieren. Letztere werden häufig dann eingesetzt, wenn die ACE-Hemmer vom Patienten nicht vertragen werden. Zudem beinhaltet die Einnahme häufig das Auftreten von Nebenwirkungen, die von Patient zu Patient unterschiedlich stark auftreten können. Mit dazu gehören beispielsweise ein trocken wirkender Reizhusten.

Alternativen hierfür sind Betarezeptorenblocker, welche das Herz vor negativen Einwirkungen von Stresshormonen schützen. Das Herz soll ruhiger schlagen und gleichzeitig den Sauerstoffbedarf senken. Aldosteronantagonischen hingegen hemmen die Wirkung von Aldosteron, womit Flüssigkeitseinlagerungen deutlich verringert werden.

In manchen Fällen ist auch die Gabe mehrerer Medikamente angezeigt.

Maßnahmen für ein Leben mit Herzinsuffizienz

Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor besteht darin, die Ursachen der Herzinsuffizienz zu bekämpfen. Denn diese haben auch fortwährend einen negativen Einfluss auf die Tätigkeit des Herzens. Liegt beispielsweise eine Nierenschwäche vor oder ist sie das Ergebnis von Depressionen, muss gezielt an diesen Ursachen gearbeitet werden, um ein ganzheitliches Ergebnis zu erhalten.

Auch kann vom Betroffenen selbst ein Lebenswandel in Angriff genommen werden. Häufig sind Gewohnheiten mitverantwortlich für eine Verschlimmerung der Insuffizienz. Mit dazu gehören:

  • auf das Rauchen zu verzichten
  • keinen Alkohol zu trinken
  • eine ausgewogene Ernährung anzustreben
  • Übergewicht zu vermeiden
  • besseres Stress-Management
  • viel Bewegung

In der Regel wird von Ärzten immer zunächst strenge körperliche Schonung empfohlen. Mit der Zeit und Einstellung der Medikamente ist es dennoch möglich noch immer etwas aktiv zu bleiben. Eine Herzinsuffizienz ist kein Verdammnis, weswegen man in Zukunft zu Hause bleiben muss.

Langfristige Folgen einer Herzinsuffizienz

Wer längere Zeit mit einer Herzinsuffizienz kämpft, muss damit rechnen, dass sich langfristige Folgen bemerkbar machen. Diese sind unterschiedlich und können sowohl eine Unterversorgung mit Blut umfassen als auch das Versagen der Herzklappen, womit sich der gesamte Zustand verschlechtert. Wird die Herzkammerwand dann auch noch dicker, füllt sich das Herz nicht mehr so gut mit Blut, so dass bei größerer Belastung Schwierigkeiten auftreten können.

Schlimmstenfalls kommt es zum Herztod, insbesondere wenn die Insuffizienz nicht behandelt wurde. Zunächst signalisiert der Körper anhand von Kammerflimmern, dass etwas nicht stimmt und erfordert eine umgehende medizinische Behandlung. In vielen Fällen überleben die betroffenen Patienten diese jedoch nicht. Auch ist dies leider möglich, wenn im Vorfeld bereits eine medikamentöse Behandlung vorhanden war und der Körper nicht mehr auf die verabreichten Medikamente reagiert.

Vielfach ist es leider den Patienten auch nicht mehr möglich, ohne ein Spenderherz auszukommen. Hierbei kommt es dann über kurz oder lang zu einer Herztransplantation. Inzwischen ist die Medizin sogar schon so weit, dass an dem Einsatz eines Kunstherzens gearbeitet wird. Dieses Verfahren und die Arbeit an dessen Weiterentwicklung ist insbesondere deshalb so wichtig, weil es in vielen Fällen kaum die Chance auf ein Spenderherz gibt.

Fazit – Ein Leben mit Herzinsuffizienz kann durchaus lebenswert sein

Ganz gleich, welche Form oder welches Stadium einer Herzinsuffizienz vorliegt, es kann durchaus bei der richtigen Behandlung lebenswert sein. Operationsmöglichkeiten sind in der heutigen Zeit bereits so minimal invasiv und erprobt, dass es sehr gut möglich ist, eine Störung diesbezüglich zu beseitigen. Auch eine medikamentöse Behandlung kann man in Erwägung ziehen.

Allgemein gilt: Alleine dem Verdacht einer Insuffizienz sollte unbedingt nachgegangen werden. Eben weil das Risiko der langfristigen Folgen so immens ausfallen kann, dass bei einer Nichtbehandlung sogar der Tod im Raum stehen kann.


Quellen und weiterführende Verweise:

  • www.herzklappenhilfe.de/herzinsuffizienz-patienten/herzinsuffizienz
  • www.patientenleitlinien.de/Herzinsuffizienz/herzinsuffizienz.html
Herzinsuffizienz – Symptome, Behandlung und Verlauf
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Autor: Robert Milan

Der Autor: Robert Milan - Seit 2005 Experte im Bereich gesundheitliche Ernährung und Nahrungsergänzung. Als langjähriger Medizinautor entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich ebenfalls auf ärztliche Fachliteratur, klinische Studien und der aktuellen medizinischen Leitlinie.
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