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Hypertensive Krise

Einer hypertensiven Krise liegt ein kritischer und rascher Anstieg des Blutdrucks zugrunde, dessen Werte auf über 230/120 mmHg steigen. Vergleichsweise liegen die Werte für einen normalen Blutdruck bei ca. 120/80 mmHg.

Die medizinische Fachwelt unterscheidet jedoch zwischen einer hypertensiven Krise und einem hypertensiven Notfall. Bei der hypertensiven Krise liegt noch keine Organschädigung vor, wohingegen bei einem Notfall akute Lebensgefahr besteht aufgrund von Organschäden. Wird die Krise nicht rechtzeitig behandelt, geht sie rasch in den lebensbedrohlichen Notfall über.

Ursachen für eine hypertensive Krise

Zahlreiche Ursachen können für eine hypertensive Krise verantwortlich sein. In Frage kommen beispielsweise Bluthochdruckerkrankungen, wie etwa die primäre oder sekundäre arterielle Hypertonie – um nur einige zu nennen. Der Fachbegriff Hypertonie steht übersetzt für das gängigere Wort Bluthochdruck. 

Im Verlauf einer Schwangerschaft kann es ebenfalls zu Bluthochdruck kommen, dem ein plötzlicher Anstieg folgt. Dann ist ebenfalls von einer hypertensiven Krise die Rede. Auch bei einem Tumor des Nebennierenmarks – der Fachbegriff lautet Phäochromozytom – kann es zu dem plötzlichen Anstieg kommen, da sich unerwartet eine große Menge sogenannter blutdruckwirksamer Botenstoffe freisetzt, die für den schnellen Anstieg auf gefährliche Werte verantwortlich sind.

Die Ursachen im Überblick:

  • Unzuverlässige Patientencompliance (unzureichende Mitarbeit des Patienten hinsichtlich der Medikamenteneinnahme)
  • Unerkannte/unbehandelte Hypertonie
  • Stress und andere emotionale Erregungszustände
  • Nierenarterienstenose
  • Akute Nierenerkrankungen
  • Tyraminreiche Nahrung in Verbindung mit MAO-Hemmern (Monoaminoxidase-Hemmer = Antidepressiva)
  • Phäochromozytom (Tumor des Nebennierenmarks)

Symptomatik bei einer hypertensiven Krise

An Patienten, die bereits seit längerem an Bluthochdruck leiden, sind die Symptome für eine bestehende hypertensive Krise nicht leicht festzustellen, da sie vielfach uncharakteristisch sind. In jedem Fall deuten folgende Hinweise auf einen plötzlichen Blutdruckanstieg hin:

  • Kopfschmerzen oder hoher Druck im Kopf
  • Roter Kopf
  • Nasenbluten
  • Heftiges Zittern
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Vergleichssymptome bei einem hypertensiven Notfall

Sofern es sich um einen hypertensiven Notfall und somit eine Steigerung der Krise handelt, werden die Symptome deutlicher, aber auch gefahrvoller:

  • Angina pectoris à plötzlich auftretendes Engegefühl in der Brust
  • Wasseransammlungen in der Lunge à Rasselgeräusche bei der Atmung, Atembeschwerden
  • Taubheitsgefühle
  • Sehstörungen

Ärztliche Hilfe suchen

Sobald sich auch nur der Verdacht einer hypertensiven Krise ergibt, ist unverzügliches Handeln angesagt. Auf diese Weise lässt sich möglichen Organschädigungen vorbeugen. Sofern der Hausarzt aufgesucht wird, erfolgt aller Voraussicht nach die umgehende Überweisung in die Klinik, wenn nicht gar der Notarzt gerufen wird.

Die Überwachung des Blutdrucks wird dann im Krankenhaus fortgesetzt. Zum Einsatz kommen blutdrucksenkende Mittel (Anthypertensiva). Halbstündliche Messungen kontrollieren, ob der Blutdruck sinkt. Ziel dabei ist, den Blutdruck innerhalb eines Tages (24 Stunden) auf unkritische Werte zu senken.

Liegt jedoch ein hypertensiver Notfall vor, ist in jedem Fall der Notarzt zu benachrichtigen, der bereits während des Transportes erste Maßnahmen einleitet. Die nötigen Medikamente werden dann über einen Tropf zugeführt. Die erforderlichen Messungen der Blutdruckwerte erfolgen in kurzen Abständen.

Die Prognose bei einer hypertensiven Krise

Bei einer hypertensiven Krisen steigen die Blutdruckwerte innerhalb kurzer Zeit in gefährliche Höhen von über 230/120 mmHg. Beim Auftreten der o. g. Symptome ist daher sofort der Blutdruck festzustellen und entsprechend zu handeln, bevor es zu einem organschädigenden Notfall kommt. Die Prognose bei einer Krise ist nachvollziehbar besser, als dies bei einem hypertensiven Notfall der Fall wäre. Fast immer ist es möglich, den Blutdruck medikamentös zu senken, bevor andere Organe Schaden nehmen. Im Verlauf wird langsam und kontrolliert therapiert.

Die Prognose hängt von möglichen Folgeschäden ab, wie z B. Schlaganfall, Augen-/Nierenschäden und ob die Funktionsfähigkeit der betroffenen Organe wiederhergestellt werden kann. Unverzügliches Handeln trägt jedenfalls zu einer günstigen Prognose bei.

Gründe für überhöhten Blutdruck

Der Fachbegriff für Bluthochdruck lautet arterielle Hypertonie. Diese beginnt im Grenzbereich des hoch-normalen Blutdrucks und manifestiert sich in Zahlen ab 140/90 mmHg. Vielfach ist er Folge des westlichen Wohlstandes aufgrund mangelnder Bewegung, falscher Ernährung bzw. Überernährung und Übergewicht. Doch ganz so einfach ist es nicht, Bluthochdruck zu definieren. Dieser unterscheidet sich in zweifacher Form:

a)   Primäre Hypertonie

Es handelt sich hierbei um die sogenannte essentielle Hypertonie, deren Ursachen nicht festgestellt werden können. Darunter leidet mit 85 % der Großteil aller Erwachsenen.

b)   Sekundäre Hypertonie

Für eine sekundäre Hypertonie gibt es nachweisbare Faktoren. Der Anteil am Gesamtpaket liegt bei 15 %, was vergleichsweise gering scheint, bei der Häufigkeit des auftretenden Bluthochdrucks jedoch noch viele Patienten betrifft.

Die Ursachen zeigen sich vielfältig:

  • Chronische Schmerzsymptomatik
  • Endokrine Hypertonie
  • Gefäßerkrankungen
  • Nierenerkrankungen
  • Psychiatrische Störungen
  • Tumoren

Nicht chronisch sind Ursachen wie

  • Drogen (Alkohol, Amphetamine, Ecstasy, Kokain)
  • Medikamente (Adrenalin, Bupropion, Cyclosporin, Erythropoetin, Kortikosteroide usw.)
  • Schwangerschaft
  • Vergiftungen (z. B. Kohlenmonoxid)

Blutdruckwerte

Im Idealfall bewegt sich der Blutdruck höchstens zwischen 130 – 139/85 – 89 mmHg. Dann ist schon von einem hoch-normalen Blutdruck auszugehen. Das Optimum liegt bei < 120/<80 mmHg, was jedoch nur eine vergleichsweise kleine Personenzahl erreicht. Anzustreben ist stets ein normaler Blutdruck, der sich in Regionen von 120 – 129/80 – 84 mmHg bewegt. Die folgende Tabelle gibt einen allgemeinen Überblick über Blutdruckwerte:

Kategorie systolisch mmHG diastolisch mmHG
Optimaler Blutdruck < 120 < 80
Normaler Blutdruck 120 – 129 80 – 84
Hoch-normaler Blutdruck 130 – 139 85 – 89
Grad 1 – milde Hypertonie 140 – 159 90 – 99
Grad 2 – mittlere Hypertonie 160 – 179 100 – 109
Grad 3 – schwere Hypertonie ≥ 180 ≥ 110
Isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90

Zuweilen kommt es vor, dass sich die beiden Werte in verschiedenen Kategorien bewegen. Dann ist stets von der höheren auszugehen.

Eine besondere Eigenheit bringt die sogenannte isolierte systolische Hypertonie mit, deren oberer Wert im überhöhten Bereich von über 140 mmHg liegt, während sich der untere – diastolische – mit unter 90 mmHg im Mittelfeld bewegt.

Symptome bei Bluthochdruck

Bluthochdruck drückt sich mehr oder weniger stark ausgeprägt in verschiedensten Symptomen aus, welche nicht alle gleichermaßen und vor allem nicht gleichzeitig auftreten:

  • Schwindel
  • Enge-/Druckgefühl im Herzbereich
  • Ohrensausen
  • Schweißausbrüche
  • Herzrasen
  • Nasenbluten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Kopfschmerzen nachts und morgens
  • Gesichtsröte
  • Erektionsstörungen
  • Unruhe, Nervosität, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen

Die aufgeführten Symptome weisen jedoch nicht automatisch auf Bluthochdruck hin. Dieser bleibt ärztlich abzuklären.

Therapien bei arterieller Hypertonie zur möglichen Vorbeugung einer hypertensiven Krise

Vielfach liegt bei einer hypertensiven Krise bereits ein Bluthochdruck vor, der sich auf Werte von bis zu 230/100 mmHg steigert und dann möglicherweise in einen hypertensiven Notfall mündet. Die beste Art, Bluthochdruck und somit auch eine hypertensive Krise abzuwenden, ist die gesunde und ausgewogenen Lebensweise, die Sport, Ernährung und Lebenseinstellung mit einbezieht. Regelmäßige Sporteinheiten mit Kardio- und Muskeltraining erhalten die Fitness.

Um die Cholesterinwerte zu senken, ist eine Ernährungsumstellung erforderlich. Eine gesunde Ernährungsweise basiert auf viel Gemüse und Obst sowie Vollkorngetreide (komplexe Kohlenhydrate) und der Reduzierung von Fett und tierischem Eiweiß. Ein hoher Cholesterinspiegel ist mitverantwortlich für Arteriosklerose und erhöht den Blutdruck.

So schwer der Schritt auch ist, doch der Tabakkonsum gehört ebenfalls zu den liebgewordenen Gewohnheiten, die der Gesundheit zuliebe weichen muss. Die daraus resultierende Arterienverengung stellt einen weiteren Risikofaktor für viele Herz-Kreislauferkrankungen dar.

Stress – ein wichtiger Begriff in der heutigen Zeit. Die Technik erspart viel Zeit, aber es bleibt keine, um sich der Gesundheit zu widmen. Stets gibt es ein zeitliches Defizit, was Hetze auslöst und somit in Stress ausartet. Der Blutdruck hält mit und steigt.

Auch der Verzicht auf Alkohol ist anzustreben, der ebenfalls den Blutdruck in die Höhe treibt. Bei Übergewicht wird die Herztätigkeit genauso überstrapaziert, sodass dieses mittels Bewegung und Ernährung abzubauen angestrebt werden sollte.

Medikation bei vorliegendem Bluthochdruck

Um den Blutdruck in normale Bahnen zu lenken, bedarf es der adäquaten Medikation, die nur ein Arzt zuteilen kann. Zur Debatte stehen verschiedene Medikamente, die vielfach auch miteinander kombiniert werden, um die optimale Wirkung zu gewährleisten:

  • ACE-Hemmer: Sie hemmen das Angiotensin verwandelnde Enzym ACE. So verhindern sie die Umwandlung des Angiotensins I in das blutdruckerhöhende Angiotensin II.
  • AT-II-Rezeptor-Antagonisten: Als Alternative zu ACE-Hemmern wirken sie am sogenannten Subtyp 1 des Angiotensin II Rezeptors. Vorteilhaft gegenüber ACE-Hemmern sind die verminderten Nebenwirkungen
  • Betablocker: Diese hemmen die Adrenalinwirkung (auch Noradrenalin, das Stresshormon) durch Blockierung der Beta-Adrenozeptoren.
  • Calciumantagonisten: Sie verhindern das Zusammenziehen der Gefäße. Daher bleiben diese weit gestellt und lassen den Blutdruck nicht ansteigen.
  • Diuretika: Ihre Aufgabe ist es, dem Organismus über die Niere Wasser und Salze zu entziehen, um das Herz zu entlasten.

Sonderfall Wechseljahre

Gerade in den Wechseljahren kann es bei vielen Frauen zu Bluthochdruck kommen. Dafür verantwortlich sind sinkende Östrogenwerte. Das weibliche Hormon besitzt blutdrucksenkende Eigenschaften, weshalb fallende Werte den Blutdruckanstieg zur Folge haben. Gleichzeitig nehmen die Testosteronwerte zu und lassen das organumgebende Bauchfett wachsen. Dieses setzt appetitanregende Hormone frei, was dann mittels einer Überernährung zu einem weiteren Anstieg führt.

Doch Vorsicht: Eine Hormonersatztherapie ist nicht die Lösung aller Probleme. Diese wird nämlich mit der Gefahr für Brustkrebs in Verbindung gebracht.

Vorbeugen ist besser

Am besten kommt es erst gar nicht zu Bluthochdruck. Dazu trägt die erwähnte gesunde Lebensweise bei sowie die Aufmerksamkeit im Hinblick auf die Gesundheit. Knoblauch und Knoblauchpräparate, grüner Tee, Rotwein in Maßen, Kakao und Omega-3-Fettsäuren helfen ebenfalls, den Blutdruck in Schach zu halten. Die Natur liefert alles, was es zu einem normalen Blutdruck und somit für eine gute Gesundheit braucht. Es lohnt sich, sich diesbezüglich einmal mit der Thematik zu beschäftigen. Die Gesundheit wird es vielfach danken.

Bei einem gesunden Herzen ist Bluthochdruck nicht zu erwarten, sofern keine anderen Erkrankungen vorliegen. Liegt das Augenmerk bereits früh darauf, kann sich erst gar keine hypertensive Krise anbahnen, die im schlimmsten Fall in einen Notfall mündet. Bei jedwedem Verdacht ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen.

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