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Arterielle Hypertonie

Vielen ist der Begriff arterielle Hypertonie unbekannt. Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um Bluthochdruck. Die Rede davon ist, wenn sich der systolische Wert auf Ebenen über 140 mmHG bewegt und der diastolische Wert unter 90 mmHg liegt.

Gerade in westlichen Industrienationen stellt die Verbreitung der arteriellen Hypertonie ein großes Problem dar. Veröffentlicht wurden europaweite Zahlen, die sich altersbezogen wie folgt darstellen:

  • 45 – 54 Jahre à 20 – 30 %
  • 55 – 64 Jahre à 30 – 40 %
  • 65 – 74 Jahre à 40 – 50 %

Diese Zahlen zeugen von der Betroffenheit der Bevölkerung. Unterschieden wird nach klinischen und pathophysiologischen Ursachen.

Ursächlich verantwortlich für arterielle Hypertonie

Die Ursachen der arteriellen Hypertonie folgen einer Einteilung: die primäre und die sekundäre Form.

Primäre Hypertonie

Ihre Ursachen können nicht ergründet werden. Ein anderer Ausdruck ist essentielle Hypertonie. Sie übernimmt den Großteil aller Hypertonie-Fälle bei Erwachsenen. Der Anteil liegt bei etwa 85 %.

Sekundäre Hypertonie

Die sekundäre Hypertonie hingegen basiert auf einer Grunderkrankung oder auf nachweislichen Faktoren. In jedem Fall ist ein Grund für das Auftreten erkennbar. Mit 15 % ist der Anteil vergleichsweise gering. Bei Kindern sieht die Aufteilung entsprechend gegenteilig aus.

Die möglichen Ursachen sind vielfach, wie die folgende Auflistung zeigt:

  • Chronische Schmerzen
  • Endokrine Störungen (eine weitere Bezeichnung ist Endokrine Hypertonie)
  • Akromegalie
  • Cushing-Syndrom
  • Hyperaldosteronismus (auch Conn-Syndrom genannt) à auch in der Pseudoform
  • Hyperparathyreoidismus
  • Hyperthyreose
  • Phäochromozytom und weitere
  • Gefäßerkrankungen
  • Aortenklappeninsuffizienz
  • Aortenisthmusstenose
  • Kollagenosen
  • Nierenarterienstenose
  • Vaskulitis
  • Nierenerkrankungen (auch Renale Hypertonie genannt)
  • Psychiatrische Störungen
  • Generalisierte Angststörung
  • Panikstörungen (mit/ohne Agoraphobie)
  • Soziale Phobien
  • Tumoren
  • Hirntumoren
  • Renin-produzierende Tumoren

Auch vorübergehende Blutdruckerhöhungen sind denkbar, die jedoch keine chronische Hypertonie-Erkrankungen auslösen. Diese sind u. a.:

  • Drogen, wie Alkohol, Amphetamine, Ecstasy und Kokain
  • Medikamente, wie Adrenalin, Bupropion, Cyclosporin, Erythropoetin, Kortikosteroide usw.
  • Schwangerschaft (schwangerschaftsinduzierte Hypertonie)
  • Vergiftungen (z. B. mit Kohlenmonoxid)

Die Auflistung der Blutdruckwerte der Weltgesundheitsorganisation WHO entspricht der Definition der Deutschen Hochdruckliga:

Kategorie Systole mmHG Diastole mmHG
Optimaler Blutdruck < 120 < 80
Normaler Blutdruck 120 – 129 80 – 84
Hoch-normaler Blutdruck 130 – 139 85 – 89
Grad 1 – milde Hypertonie 140 – 159 90 – 99
Grad 2 – mittlere Hypertonie 160 – 179 100 – 109
Grad 3 – schwere Hypertonie ≥ 180 ≥ 110
Isolierte systolische Hypertonie > 140 < 90

Stets ist im Falle, dass sich bei einem Patienten der sogenannte obere und untere Wert (systolisch und diastolisch) in unterschiedlichen Kategorien bewegen, von der höheren auszugehen.

Isolierte systolische Hypertonie

Eine besondere Form des Bluthochdrucks bildet die sogenannte isolierte systolische Hypertonie, bei der der systolische Druck überhöht bei 140 mmHg und der untere – diastolische – im Normbereich bei unter 90 mmHg liegt.

Symptome bei hohem Blutdruck

Es gibt zahlreiche Symptome, die kennzeichnend sind für das Vorliegen einer arteriellen Hypertonie:

  • Enge-/Druckgefühl im Herzbereich
  • Schwindel
  • Herzrasen
  • Ohrensausen
  • Nasenbluten
  • Schweißausbrüche
  • Kopfschmerzen nachts und morgens
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Erektionsstörungen
  • Gesichtsröte
  • Nervosität, Unruhe, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen

Jedoch ist beim Auftreten der genannten Symptome nicht automatisch von Bluthochdruck auszugehen. Sie geben lediglich einen Hinweis bei Verdacht.

Zu erwartende Schädigungen des Herzens bei Vorliegen einer arteriellen Hypertonie

Eine anhaltende Hypertonie kann – je nach Schweregrad – eine Schädigung des Herzmuskels hervorrufen. Daher ist die dauerhafte Blutdrucksenkung unbedingt anzustreben, um Folgeerkrankungen abzuwenden. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt den Herzmuskel und das Gefäßsystem nachhaltig mit der Folge, dass die Anforderungen an das Herz immer höher werden. Es muss noch kräftiger schlagen, damit es die nötige Leistung erbringen kann. Infolgedessen kann es zu Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Vorhofflimmern kommen.  

Bei zu hohem Blutdruck sind daher zunächst alle möglichen Risikofaktoren ausschließen, wie etwa Stress, Übergewicht, Rauchen, Störungen im Fettstoffwechsel und Diabetes.

Alarmierende Zahlen: Hoher Blutdruck in Verbindung mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht bis zu 50 % aller Todesfälle hierzulande.

Eine unumwunden schnelle Senkung des Blutdrucks mit Notfallmedizin ist erforderlich, wenn der Blutdruck plötzlich stark ansteigt. Dann liegt eine sogenannte hypertensive Krise vor, die Organ- und Hirnschäden, Herzversagen bis hin zum Herzinfarkt, Lungenödem und Aortenriss auslösen kann.

In allen Fällen sind normale Blutdruckwerte anzustreben. Im Notfall mit Hilfe von Medikamenten, am besten jedoch mittels einer gesunden und ausgewogenen Lebensweise.

Therapien bei Vorliegen einer arteriellen Hypertonie

Der erste Schritt ist stets die ärztliche Blutdruckmessung, um den Grad einer möglichen vorliegenden arteriellen Hypertonie zu bestimmen. Danach folgen Labor, EKG/Belastungs-EKG, evtl. Langzeit-Blutdruckmessung und Urindiagnostik. Mitunter werden weitere Untersuchungen angeordnet, deren Notwendigkeit sich aus der ärztlichen Analyse ergibt. All diese Methoden sollen auf die Spur für die Ursache einer vorliegenden arteriellen Hypertonie führen. Zudem sollen mögliche Folgeschäden bestimmt werden sowie kardiovaskuläre Risiken.

Bewertung durch die WHO

Die Weltgesundheitsorganisation bewertet die drei Grade der milden bis schweren Hypertonie wie folgt:

  • Milde Hypertonie – Grad 1: Ohne Organschäden
  • Mittlere Hypertonie – Grad 2: Leichte Organschäden und gegebenenfalls Arterienverkalkung
  • Schwere Hypertonie – Grad 3: Schwere Organschäden mit Folgeerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Schlaganfall, Angina pectoris, Niereninsuffizienz und weitere.

Im Alter sind die Blutdruckwerte etwas anders zu bemessen. Liegt beispielsweise eine Schlafapnoe vor oder eine chronische Niereninsuffizienz, sind diese ebenfalls vielfach verantwortlich für einen überhöhten Blutdruck.

Wichtig zu wissen: Erwiesenermaßen senkt die medikamentöse Therapie die Sterblichkeitsrate, die sich aus Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems ergibt. Zu Beginn bleibt die arterielle Hypertonie oft unerkannt, da sie Symptome vermissen lässt. Diese zeigen sich erst im späteren Verlauf. Viele Menschen weisen unerkannt überhöhte Werte auf, weshalb es wichtig ist, stets die eigenen Blutdruckwerte zu kennen.

Die gesündesten Therapieansätze bei arterieller Hypertonie

Bei vorliegendem Bluthochdruck ist die Umstellung der Lebensweise unerlässlich. Damit lässt sich bereits eine prägnante Blutdrucksenkung erreichen. Es gibt jedoch eine Gruppe von Personen, bei denen diese Maßnahmen nicht mehr zielführend sind. Sie bringen bereits Grunderkrankungen oder andere organische Schäden mit; die angestrebte Blutdrucksenkung würde schlichtweg ausbleiben.

Platz 1 der gesündesten Methoden nimmt regelmäßiger Ausdauersport ein (Walking, Jogging, Schwimmen, Wandern). Erforderlich sind wöchentliche Einheiten von dreimal 30 Min.

Maßnahme Nr. 2 beinhaltet die Senkung der Cholesterinwerte durch Umstellung der Ernährungsweise. Hauptnahrungsmittel sind Obst und Gemüse, angestrebt wird die Reduzierung von Fett und tierischem Eiweiß. Immerhin ist ein hoher Cholesterinspiegel mitverantwortlich für die gefürchtete Arterienverkalkung.

Der schwerste Schritt wird vermutlich sein, das Rauchen aufzugeben. Die aus Tabakkonsum resultierende Arterienverengung stellt einen weiteren Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. 

Der Stressfaktor ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. Ein Überdenken der Lebenssituation sowie der Anpassung ist somit ebenso unerlässlich, um den Blutdruck in normale Bahnen zu lenken.

Weitere Optionen beruhen auf Minimierung oder völligem Verzicht von Alkohol sowie auf der Gewichtsreduktion bei Übergewicht, welche beide mitverantwortlich für Bluthochdruck sind.

Arterielle Hypertonie – Medikamentöse Behandlungsansätze

Für die medikamentöse Behandlung kommen Blutdrucksenker in Frage. Die verschiedenen Formen werden als Diuretika, Betablocker, ACE-Hemmer, Calciumantagonisten und AT-II-Rezeptor-Antagonisten bezeichnet. Vielfach werden sie miteinander kombiniert, um die optimale Wirkung zu erreichen.

  • Diuretika: Sie entziehen dem Organismus Wasser über die Niere.
  • Betablocker: Ihr Ziel ist die Hemmung der Adrenalinwirkung (auch Noradrenalin, das Stresshormon) durch Blockierung der Beta-Adrenozeptoren.
  • ACE-Hemmer: Sie hemmen das Angiotensin verwandelnde Enzym ACE und verhindern somit die Umwandlung des Angiotensins I in das blutdruckerhöhende Angiotensin II.
  • Calciumantagonisten: Diese verhindern das Zusammenziehen der Gefäße. Daher bleiben sie weit gestellt und lassen den Blutdruck nicht ansteigen.
  • AT-II-Rezeptor-Antagonisten: Sie stellen eine Alternative zu ACE-Hemmern dar und wirken am sogenannten Subtyp 1 des Angiotensin II Rezeptors. Ihr Vorteil sind die verminderten Nebenwirkungen.

Bluthochdruck in den Wechseljahren

Gerade in den Wechseljahren klagen Frauen mitunter über hohe Blutdruckwerte. Grund ist der veränderte Hormonhaushalt, dem das Östrogen zugrunde liegt, welches blutdrucksenkende Eigenschaften besitzt. Klassisches Kennzeichen für das Einsetzen der Wechseljahre ist das Abnehmen der Fruchtbarkeit aufgrund zurückgehender Östrogenwerte.

Gleichzeitig steigt aber der Testosteronspiegel und beschert Frauen Bauchfett, wie dies eher kennzeichnend für viele Männer ist. Dieses Bauchfett setzt appetitanregende Hormone frei und mit zunehmenden Maß steigt auch der Blutdruck. Daher ist es für den Arzt bei der Untersuchung von Frauen in entsprechendem Alter wichtig, zunächst den Östrogen- bzw. Testosteronanteil zu bestimmen.

Vor dem Eintritt in die Wechseljahre leiden Frauen seltener unter Bluthochdruck, als dies bei Männern der Fall ist. Betroffene Frauen sind hochgradig herzinfarkt- und schlaganfallgefährdet. Das gefährlichste Alter für das weibliche Geschlecht liegt um die 60 Lebensjahre, während bei Männern bereits ab 40 Jahre die Gefahr im Hinblick auf Bluthochdruck lauern kann.

Hilfe in den Wechseljahren

Erste Hilfe zur Senkung des Blutdrucks ist die ausreichende Bewegung an der frischen Luft, der Verzicht auf Alkoholika und Zigaretten sowie die natriumarme Ernährung. Umstritten ist hingegen die Hormonersatztherapie, da sie mit der Gefahr für Brustkrebs in Verbindung gebracht wird.

Ab etwa 45 Jahren sollten Frauen ihren Blutdruck im Auge behalten. Erste Anlaufstelle ist die ärztliche Praxis, doch auch zu Hause kann selbst Hand angelegt werden.

Schon früh die Weichen stellen

Gelingt es trotz aller vorbeugender Maßnahmen nicht, den Bluthochdruck in normale Bahnen zu lenken, hilft nur noch die medikamentöse Regulierung. Vorab sind aber auch alternative Methoden möglich, die ebenso zielführend sein können. Hier zu nennen sind Knoblauch und Knoblauchpräparate, grüner Tee, Rotwein (in Maßen), Kakao und Omega-3-Fettsäuren. Auch natürliche Lebensmittel sind hilfreich (Bananen, Kiwis, Melonen u. a.). Für betroffene Frauen lohnt sich die ausführliche Recherche, um möglicherweise einer medikamentösen Behandlung vorzugreifen.

Im jungen Alter ist Bluthochdruck eher eine Seltenheit, sofern die gesunde Lebensweise als Grundlage dient. Mit zunehmendem Alter hingegen steigt die Gefahr, an arterieller Hypertonie zu erkranken. Ein gesundes Herz jedoch ist Voraussetzung für einen belastungsfähigen Organismus. Schon in jungen Jahren können daher die Weichen für das höhere Alter gestellt werden.

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