Thrombozyten – Normalwert zu niedrig oder zu hoch – Normwert verstehen

Was genau sind eigentlich Thrombozyten?

Neben dem Blutplasma enthält das Blut auch noch drei bedeutende Arten von Zellen. So finden sich im Lebenssaft zum einen die Erythrozyten. Diese roten Blutkörperchen sind für den Sauerstofftransport verantwortlich. Zum anderen gibt es dann noch die Leukozyten. Die weißen Blutkörperchen sind für die Abwehr von Fremdkörpern zuständig.

Neben den roten und weißen Blutkörperchen gibt es dann noch die sogenannten Thrombozyten. Diese Sorgen vor allem bei Verletzungen der Blutgefäße dafür, dass das Blut gerinnt. Thrombozyten werden außerdem auch als Blutplättchen bezeichnet und sind demnach hauptsächlich für die Blutgerinnung zuständig.

Wie sind Thrombozyten aufgebaut und welche Größe besitzen diese Blutplättchen?

Thrombozyten bzw. Blutplättchen sind für die Blutgerinnung verantwortlich. So gehören die Thrombozyten zu den kleinsten Zellen. Sie messen lediglich zwischen zwei und drei Mikrometer. Die roten Blutkörperchen sind im Vergleich fast drei Mal so groß. Außerdem verfügen die Blutplättchen weder über eine DANN, noch über einen Zellkern. Demnach können Thrombozyten nicht über eine Zellteilung entstehen.

Im Knochenmark werden diese von den sogenannten Megakaryozyten gebildet. Mit einem Durchmesser von circa 150 Mikrometern gehören die Megakaryozyten zu den größten Zellen im menschlichen Körper. Von diesen großen Zellen werden dann Stück für Stück kleine Bruchteile abgetrennt, die dann als Thrombozyten ins Blut gelangen.

Thrombozyten verfügen über keine glatte Oberfläche. So bestehen diese aus einem Klumpen feiner Verästelungen mit vielen Tentakeln. Letzteres wird allerdings meist erst ausgebildet, wenn die Thrombozyten aktiv sind. Käme es vorab zu einer Ausbildung der Tentakeln, würden diese die Blutgefäße verstopfen. Die Thrombozyten-Anzahl eines gesunden Menschen beträgt zwischen 150.000 und 380.000 Blutplättchen pro Mikroliter Blut.

Im Durchschnitt besitzen Thrombozyten eine Lebensdauer zwischen acht bis zwölf Tagen. Sowohl in der Milz, als auch in der Lunge werden die Blutplättchen wieder abgebaut. In geringen Maßen erfolgt dies ebenfalls in der Leber.

Welche Aufgaben besitzen Thrombozyten?

Es ist besonders wichtig, dass die Blutbahnen im menschlichen Körper stets unversehrt bleiben. Wäre dies nicht so, könnte das Blut an beschädigten Stellen abfließen und die Zellen könnten nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden. Wird also irgendwo im Organismus ein Blutgefäß oder eine Blutbahn beschädigt, kommen die Thrombozyten zum Einsatz.

Die Blutplättchen lagern sich demnach an das umliegende Gewebe, welches verletzt wurde, an und bilden Klumpen. Genauer gesagt, heißt das, dass sich zahlreiche Thrombozyten zusammenschließen und so die verletzte Stelle schließen. Das beschädigte Gewebe erhält die nötige Zeit  um sich wieder zu regenerieren.

Somit handelt es sich bei den Thrombozyten um den „Notarzt“ für den Notfall. Kommt es zu Verletzungen dichten diese zügig die Stelle ab, damit nicht allzu viel von dem Lebenssaft verloren geht.

Worum handelt es sich genau bei der Blutgerinnung?

Grob erklärt, läuft eine Blutgerinnung, wie folgt ab.

  1. Kommt es zu einer Verletzung lagern sich die ersten Thrombozyten an dem beschädigten Gewebe an.
  2. Anschließend entfalten die Thrombozyten ihre Tentakel und nehmen auf diese Weise beträchtlich an Größe zu.
  3. Das Protein Fibrin wird jetzt durch das Enzym Thrombin freigesetzt. Bei Fibrin handelt es sich um eine Art Zellklebstoff.
  4. Weitere Thrombozyten, die jetzt vorbeifließen, bleiben an diesem Zellklebstoff haften. Diese wiederum falten sich ebenfalls auf, dehnen sich aus und setzen ebenfalls Fibrin frei.

Dieser Prozess läuft in sehr kurzer Zeit ab, da das vorbeiströmende Blut viele Thrombozyten enthält. Schnell entsteht somit ein engmaschiges Netz aus hunderttausenden von Blutplättchen. Die Wunde wird demnach zügig geschlossen, so dass andere Bestandteile des Lebenssafts nicht mehr hindurchpassen.

Was ist Koagulum und Thrombus?

Kommt es vor, dass sich auf einer Wunde eine weiße, manchmal eitrige Schicht bildet, handelt es sich hier um eine Mischung aller drei Blutzellenarten. Erythrozyten, Leukozyten, sowie Thrombozyten vereinen sich hier durch das Fibrin. Ärzte sprechen in diesem Fall von Koagulum bzw. von einem Blutpfropf.

Bildet sich hingegen im inneren des Körpers eine Wunde, handelt es sich hier um Thrombus. Nach der Wundheilung wird dieser in der Regel einfach weggespült und anschließend abgebaut. In einigen Fällen kann dies aber auch zu Problemen führen. Es kann, beispielsweise, zu einem Herzinfarkt, einer Thrombose oder infolgedessen eine Lungenembolie auslösen.

Welche Thrombozyten-Werte gelten als normal?

Die folgende Auflistung zeigt die normale Thrombozyten-Anzahl in einem Mikroliter Blut. Bei einem Mikroliter handelt es sich um einen tausendstel Milliliter. Ein Blutstropfen enthält circa 0,1 Milliliter, also etwa 100 Mikroliter.

  • Neugeborene

220.000 bis 450.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut

  • Kinder vom ersten bis sechsten Lebensjahr

200.000 bis 400.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut

  • Kinder von 7 bis 18 Jahren

170.000 bis 390.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut

  • Erwachsene

150.000 bis 380.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut

Rund 25.000 Thrombozyten, sowie circa 450 Millionen Erythrozyten sind demnach in Etwa in einem Tropfen Blut zu finden. Dies ist allerdings ein statistischer Mittelwert von gesunden Personen. In einzelnen Fällen kann es auch zu Abweichungen kommen, die normal und unbedenklich sind.

Was verursacht erhöhte Thrombozyten-Werte?

Es finden sich zwei potentielle Möglichkeiten, wenn im Blut zu viele Thrombozyten vorkommen. Demnach werden entweder zu viele Blutplättchen gebildet oder aber diese werden zu langsam wieder abgebaut. So werden Thrombozyten im Knochenmark gebildet und anschließend ins Blut abgegeben. Nach einer durchschnittlichen Lebensdauer von acht bis zwölf Tagen werden die Blutplättchen dann vorrangig in der Milz, aber ebenso in der Lunge, wie in der Leber wieder abgebaut.

  • Kommt es zu einer Bildung von zu vielen Thrombozyten, kann dies mit einer Erkrankung des Knochenmarks in Zusammenhang stehen. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer essentiellen Thrombozythämie.
  • Werden hingegen zu wenig Thrombozyten abgebaut, könnte eine Erkrankung der Milz, wie der Lunge oder Leber vorliegen.

Hinzu kommt, dass erhöhte Thrombozyten-Werte aber auch eine völlig andere Ursache haben können. Bei zahlreichen Entzündungskrankheiten der Blutgefäße signalisiert der Körper dem Knochenmark, dass mehr Thrombozyten gebraucht werden. In diesem Fall sprechen Ärzte auch von Infektionen, die durch Bakterien oder Viren ausgelöst wurden. Daneben können aber ebenso Tumore eine erhöhte Thrombozyten-Anzahl auslösen. Dies nennt man eine reaktive Thrombozytose.

Wenn Arzneimittel für erhöhte Thrombozyten-Werte sorgen

Nicht selten sorgen auch diverse Arzneimittel für erhöhte Thrombozyten-Werte. Die enthaltenden Wirksubstanzen bringen dann den natürlichen Produktions-, wie Abbauvorgang durcheinander. Meist sind die sogenannten temporären Unregelmäßigkeiten jedoch zu verkraften.

Was verursacht zu niedrige Thrombozyten-Werte?

Kommt es bei einem Patienten zu einem zu niedrigem Thrombozyten-Wert sprechen Ärzte von einer Thrombozytopenie.

Folgende Ursachen können dafür verantwortlich sein:

  • Die Milz, die das Blut filtert, ist vergrößert, so dass hier zu viele Thrombozyten hängen bleiben.
  • Das Knochenmark stellt nicht genug Thrombozyten her
  • Das Abwehrsystem zerstört die Thrombozyten zu früh

In zahlreichen Fällen beschreibt die Thrombozytopenie lediglich eine vorübergehende Störung. Erst, wenn diese Erkrankung fortschreitet oder Symptome erzeugt, gilt diese als bedenklich.

Was ist eine thrombozytische Purpura?

Ein schlecht funktionierendes Immunsystem verursacht eine behandlungs-bedürftige Thrombozytopenie. In Fachkreisen wird diese Krankheit auch als Autoimmunthrombozytopenische Purpura bezeichnet. Stecknadelkopfgroße, rötliche Hautblutungen entstehen in diesem Fall häufig. So kann diese Erkrankung mit einer Autoimmunkrankheit in Zusammenhang stehen oder nach einer kürzlich durchgemachten Infektion auftreten. Zahlreiche der heute gebrauchten Arzneien können demnach das Immunsystem so verändern, dass dieses sich gegen die Thrombozyten wendet.

Welche Symptome ruft eine Thrombozytopenie hervor?

Betroffene, die zu wenige Thrombozyten in ihrem Blut haben, ziehen sich meist schnell blaue Flecken zu und bluten nach einer Verletzung länger.

Folgende Symptome sprechen für eine Thrombozytopenie:

  • Blut im Stuhl oder Urin
  • Spontane Blutungen aus Nase oder Zahnfleisch
  • Purpurfarbener „Hautausschlag“
  • Zahlreiche rote, stecknadelförmige Punkte auf der Haut
  • Heftige Menstruationsblutungen
  • Verlängertes Bluten nach Schnittwunden

Blutgerinnsel, die durch eine Thrombozyten-Erkrankung hervorgerufen werden, können im schlimmsten Fall Gefäße im Gehirn verstopfen. Schlaganfallähnliche Symptome, wie Lähmungen, plötzliche Sehstörungen, starke Kopfschmerzen, Benommenheit, sowie Taubheitsgefühle in Armen und Beinen können auftreten.

Wie kann eine Thrombozytopenie behandelt werden?

Bei Betroffenen die an einer thrombozytopenischen Purpura leiden, kommt es entweder permanent oder aber gelegentlich zu einer niedrigen Anzahl an Thrombozyten. In den meisten Fällen kommen hier immunsuppressive Arzneien zum Einsatz. Diese Medikamente unterdrücken das Immunsystem. In einigen Fällen ist es sogar notwendig die Milz zu entfernen, da diese dafür verantwortlich ist, dass die Thrombozyten vorzeitig abgebaut werden.

Als seltene, wie lebensgefährliche Krankheit bezeichnet man hingegen die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura. Dieses Krankheitsbild verursacht einen plötzlichen, starken Abfall der Thrombozyten-Anzahl. So werden in diesem Fall die Thrombozyten in kleine Blutgerinnsel hineingezogen, welche sich plötzlich im gesamten Körper bilden. Auch die Blutgerinnsel erhöhen dann das Risiko der Betroffenen an schlaganfallähnlichen Symptomen zu erkranken.

Bereits einige verschiedene Arzneimittel wurden in der Vergangenheit mit diesem Krankheitsbild in Verbindung gebracht. Behandelt wird diese Krankheit, indem Blut entnommen wird. Anschließend wird das Plasma entfernt und das Blut wieder mit frischem Spenderplasma dem Körper zugeführt.

Fazit: Thrombozyten sind wichtig, wenn es um die Blutgerinnung geht. So bewegt sich der normale Thrombozyten-Wert eines gesunden Erwachsenen zwischen 150.000 und 380.000 Blutplättchen pro Mikroliter Blut. Wer hingegen über eine zu hohe oder zu niedrige Thrombozyten-Anzahl verfügt, muss außerdem nicht gleich an einer ernstzunehmenden Krankheit erkrankt sein. Es gibt auch harmlose Ursachen für diese Abweichungen.

Patienten, die hingegen aufgrund einer Krankheit Gefahr laufen Blutgerinnsel zu bilden, werden häufig Cumarin-Präparate verschrieben. Mit diesen kann das Thrombose-Risiko gesenkt werden. Allerdings ist es schwer diesen Wirkstoff individuell angemessen zu dosieren. Zu wenig Cumarin bedeutet ein unzureichender Schutz vor Blutgerinnsel. Zu viel hingegen verdünnt das Blut zu stark und erhöht damit das Risiko von Blutungen. Aus diesem Grund, werden diese Patienten stets engmaschig überwacht. Heutzutage gibt es aber sogar schon einfache Geräte, die es ermöglichen einfach einen Selbsttest durchzuführen.

Thrombozyten – Normalwert zu niedrig oder zu hoch – Normwert verstehen
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Autor: Robert Milan

Der Autor: - Seit 2005 Experte im Bereich gesundheitliche Ernährung und Nahrungsergänzung. Als langjähriger Medizinautor entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich ebenfalls auf ärztliche Fachliteratur und der aktuellen medizinischen Leitlinie.

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