Hämoglobin – zu niedrig oder zu hoch – Laborwerte verstehen

Was ist Hämoglobin?

Bei Hämoglobin handelt es sich um eine Proteinkette. So setzt sich dieser Begriff zum einen aus dem Wort „haima“ für Blut und zum anderen aus dem Wort „globus“ für Kugel zusammen. Demnach bedeutet diese Bezeichnung frei übersetzt so viel, wie „Blutkugeln“. Hämoglobin findet sich außerdem ausschließlich in den Erythrozyten, also den roten Blutkörperchen. Das überaus besondere am Hämoglobin ist, dass dieses Sauerstoff an sich binden kann.

Wie jedes Eiweiß verfügt auch Hämoglobin über eine besondere dreidimensionale Struktur, welche die außergewöhnlichen Eigenschaften bestimmt. Das sogenannte Häm ist ein Eisenkomplex und findet sich in der gefalteten Proteinkette. Hier kann demnach ein Sauerstoffmolekül angelagert, aber ebenso wieder abgespalten werden. Je nachdem, wie sich die Struktur des Proteins verändert, wird entweder das eine oder das andere vorgenommen.

Grundsätzlich kann man sich Hämoglobin wie einen Ball vorstellen, welcher an vier bestimmten Stellen über tiefe Einbuchtungen verfügt. Das Eisen kann sich genau in diesen Einbuchtungen einlagern. Auf diese Weise ist das Eisen geschützt, wenn die Erythrozyten sich durch die engen Blutgefäße im Körper bewegen. Außerdem ist die Häm-Einheit stets tiefrot gefärbt, weshalb die Erythrozyten, sowie das Blut eine rote Färbung aufweisen.

Welche Aufgabe besitzt das Hämoglobin im menschlichen Körper?

Hämoglobin besitzt die Aufgabe Sauerstoff in der Lunge zu binden. Dieses wird anschließend mit dem Blut ins Körpergewebe transportiert, wo es dann den Sauerstoff wieder abgibt. Kommt es zu einem niedrigen Hämoglobin-Wert im Blut kann dies außerdem zu einer Anämie, auch Blutarmut genannt, führen. Ist im Blut hingegen zu viel Hämoglobin enthalten, weil zu viele Erythrozyten zugegen sind, sprechen Mediziner von einer Polyglobulie.

Was ist wenn der Hämoglobinwert im Blut zu hoch ist?

Auch der Hämoglobinwert kann anhand einer Blutprobe gemessen werden.  Liegt der Blutwert Hb dann bei Männern über 17 g/dl und bei Frauen über 16 g/dl sprechen Ärzte von einem erhöhten Hämoglobinwert. Dies wiederum deutet auf eine sogenannte Polyglobulie hin.

Was ist eine Polyglobulie?

Polyglobulie leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet so viel, wie viele Kügelchen. Bei diesem Krankheitsbild werden demnach vermehrt Erythrozyten gebildet. Somit steigt hier nicht nur die Anzahl der roten Blutkörperchen, sondern ebenfalls Hämoglobinmenge im Blut. Außerdem unterscheidet man hier zwischen der primären und der sekundären Polyglobulie.

Handelt es sich um eine primäre Polyglobulie kommt es demnach zu einer unkontrollierten Blutstammzellenvermehrung im Knochenmark. Liegt dagegen eine sekundäre Polyglobulie vor läuft die Blutzellenvermehrung kontrolliert ab. In diesem Fall zeigt der Körper nämlich eine Reaktion auf einen Mangel an Sauerstoff. Durch eine höhere Erythrozyten-Anzahl versucht der Organismus hier den Sauerstoffmangel aufzufangen.

Die Niere ist in diesem Fall für die gesteigerte Produktion an Erythropoetin verantwortlich, welches dann vermehrt ins Blut abgegeben wird. Dieses Hormon regt dann dass Knochenmarkt an mehr rote Blutkörperchen zu bilden. Häufig verursachen Lungenerkrankungen eine solche Polyglobulie.

Was geschieht, wenn der Hämoglobinwert im Körper zu niedrig ist?

Wie bereits erwähnt, übernimmt das Hämoglobin im Organismus eine überaus wichtige Aufgabe. So transportiert das Hämoglobin Sauerstoff zu den Körperzellen. Im Zuge dessen bindet sich dieser außerdem an Eisen, welches sich im Inneren des Blutfarbstoffs befindet.

Der Eisenbaustein sorgt dafür, dass die Sauerstoffversorgung der Zellen, wie Organe problemlos funktioniert. Kommt es im menschlichen Körper zu einem niedrigen Hämoglobinwert sprechen Mediziner hier von einer Anämie bzw. Blutarmut. Deren Hauptursache findet sich meist in einem Eisenmangel. Frauen haben außerdem weitaus häufiger mit diesem Krankheitsbild zu kämpfen, als Männer.

Hämoglobin sorgt für den Transport des sogenannten Oxygeniums in die Zellen und Organe zuständig. Ist der Hämoglobinwert hingegen zu niedrig, weist dies auf eine Anämie hin, welche durch einen Eisenmangel ausgelöst wurde. So kommt es bei zu geringen Hämoglobinwerten im Blut zu einer unzureichenden Sauerstoffversorgung des menschlichen Körpers. Dieser reagiert dann mit Symptomen, wie starken Kopfschmerzen, Schwindel, Appetitlosigkeit, sowie Schwäche.

Fehlt dem Organismus Eisen bildet dieser keinen Blutfarbstoff mehr. Blutbildungsstörungen, ein chronischer Blutverlust, sowie Nieren- und Darmerkrankungen können sich ebenso hinter einem niedrigen Hämoglobinwert verbergen. Gleiches gilt für einen Vitamin-B12- oder Folsäure-Mangel.

Welche Symptome sprechen für einen zu niedrigen Hämoglobinwert?

Ein zu niedriger Hämoglobinwert wird in der Fachsprache auch als Sideropenie bezeichnet. Betroffene haben in diesem Fall häufig mit folgenden Symptomen zu kämpfen:

  • Blasse Haut
  • Infektionsanfälligkeit
  • Atemnot
  • Kopfweh
  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • Ohrensausen
  • Kälteempfindlichkeit
  • Erhöhter Pulsschlag
  • Wachstumsstörungen von Haut, Nägel, wie Haaren
  • Appetitlosigkeit
  • Schwindel

Wie lässt sich ein zu niedriger Hämoglobinwert behandeln?

Befindet sich der Hämoglobinwert nicht im Normbereich werden entsprechende weitere Untersuchungen vorgenommen. Weist der niedrige Hb-Wert auf einen Eisenmangel hin, kann eine entsprechende Ernährungsumstellung helfen dieses Problem zu beheben.

So kann es hilfreich sein eisenreiche Lebensmittel zu verzehren. Betroffene nehmen dann meist Eisen aus tierischen Nahrungsmitteln zu sich, da der Organismus dieses besser aufnehmen kann, als Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Fettarme Fleischsorten, wie mageres Muskelfleisch eignen sich besonders gut zur Eisenaufnahme.

Ebenso können aber auch Nüsse, Karotten, Spinat Schwarzwurzeln, Hülsenfrüchte und andere Gemüsesorten bei der Eisenaufnahme helfen, so dass auch Vegetarier, wie Veganer ihren niedrigen Hämoglobinwert wieder in die Höhe treiben können.

Wer darüber hinaus zu seinem eisenreichen Essen auch noch ein Glas vitaminreichen Saft zu sich nimmt, verbessert auf diese Weise die Eisenaufnahme im Darm und somit auch seine Hämoglobinwerte. Schwarztee hingegen gilt es besser zu meiden, denn dieser vermindert die Eisenverarbeitung im menschlichen Körper.

Wie sehen die Hämoglobin-Normwerte aus?

Je nach Analysegerät unterscheiden sich die Hämoglobin-Normalwerte bei Frauen, wie bei Männern. Auch die Tageszeit, Körperlage, sowie die Art und Weise der Blutentnahme beeinflussen hier die Messung. So liegen die Hämoglobin-Normwerte bei Frauen zwischen 12 und 16 g/dl, während Männer zwischen 13 und 17 g/dl über einen normalen Hämoglobinwert verfügen.

Fazit: Hämoglobin ist wichtig, wenn es um den zuverlässigen Sauerstofftransport im menschlichen Körper geht. Leiden Betroffene an zu wenig Hämoglobin in ihrem Blut, ist hier oftmals ein Eisenmangel schuld. Vor allem Frauen haben mit diesem Problem häufig zu kämpfen. Eine eisenreiche Kost kann hier aber meist recht schnell Abhilfe schaffen.

Es gilt demnach den Speiseplan eisenreicher zu gestalten. Vor allem Eisen aus tierischen Nahrungsmitteln kann der Organismus gut aufnehmen. Vegetarier oder Veganer hingegen können aber ebenfalls durch den Verzehr von Spinat, Nüssen, Hülsenfrüchten und Ähnliches ihren Eisen-Haushalt und somit ihren Hämoglobinwert erhöhen. Diverse Nahrungsergänzungsmittel sind in diesem Fall natürlich auch stets hilfreich und sorgen für Hämoglobin-Normalwerte.

Hämoglobin – zu niedrig oder zu hoch – Laborwerte verstehen
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Autor: Robert Milan

Der Autor: - Seit 2005 Experte im Bereich gesundheitliche Ernährung und Nahrungsergänzung. Als langjähriger Medizinautor entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich ebenfalls auf ärztliche Fachliteratur und der aktuellen medizinischen Leitlinie.
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