Polyglobulie – Symptome und Werte

Wenn die Hämoglobinkonzentration im Blut wegen erhöhter Blutbildung zu hoch ist.

Worum handelt es sich bei einer Polyglobulie?

Sind im Blut zu viele Erythrozyten, Leukozyten, wie Thrombozyten im Verhältnis zum Blutplasma vorhanden, sprechen Experten von einer Polyglobulie. So leitet sich dieser Begriff von dem Lateinischen ab und bedeutet übersetzt so viel, wie „viele Kügelchen“. Sind lediglich zu viele Erythrozyten, als rote Blutkörperchen, im Blut finden, nennt sich dies Polyzythämie bzw. Erythrozytose. Etwa 96 bis 98% der Blutkörperchen machen hier die Erythrozyten aus, so dass hier die Polyglobulie oftmals synonym zur Verwendung kommt.

Findet sich im Verhältnis zum Blutplasma eine erhöhte Anzahl an Erythrozyten im Blut führt dies dazu, dass das Blut dickflüssiger wird. Demnach steigt ebenfalls die Reibung in den Blutgefäßen, so dass das Herz kräftiger pumpen muss. Im gleichen Zuge steigt jetzt das Risiko von Thrombose, Herzinfarkt, Schlaganfall, wie Durchblutungsstörungen.

Was verursacht eine Polyglobulie?

Im Knochenmarkt werden bei einer Polyglobulie zu viele Erythrozyten gebildet. Für diese vermehrte Produktion gibt es zahlreiche, verschiedene Ursachen.

Diese können demnach sein:

  • Erkrankungen des Knochenmarks führen manchmal dazu, dass zu viele rote Blutkörperchen hergestellt werden.
  • Sauerstoffmangel durch Krankheiten, wie Mangeldurchblutung der Nieren oder Reduktion der Lungentätigkeit.
  • Sauerstoffmangel in der Umgebung, wie es bei einer Wanderung durch das Hochgebirge der Fall sein kann.
  • Vergiftungen durch eine gesteigerte Ausschüttung von Erythropoetin, wodurch dann die Erythrozyten-Herstellung
    angekurbelt wird.
  • Doping durch Einnahmen des Hormons Epo.
  • Bösartige Tumore, die ebenso für eine erhöhte Ausschüttung von Erythropoetin sorgen können.
  • Defektes Hämoglobin, welches nicht mehr fähig ist im natürlichen Maße Sauerstoff an sich zu binden.

Durch eine erhöhte Erythrozyten-Anzahl ( Polycythaemia vera) versucht der menschliche Körper den Mangel an Sauerstoff wieder auszugleichen. Letzten Endes ist hier die Niere verantwortlich, denn diese stellt bei einem Sauerstoffmangel vermehrt Erythropoetin her und gibt dieses dann ins Blut ab. Das regt dann das rote Knochenmark an neue rote Blutkörperchen zu bilden.

Welche Symptome sprechen für eine Polyglobulie?

Da das Blut durch die erhöhte Erythrozyten-Anzahl dicker wird, ist das Herz gezwungen stärker zu arbeiten. Die typischen Symptome sind daher:

  • Atemnot, welche bereits bei geringen Belastungen auftreten
  • Verminderte Durchblutung des Zentralen Nervensystems
  • Häufiges Auftreten von Kopfschmerzen
  • Herzkrämpfe

Infolgedessen können dann folgende Erkrankungen, wie Beschwerden auftreten:

  • Erhöhtes Risiko für Schlaganfall, wie Herzinfarkt
  • Bluthochdruck mit sämtlichen Folgesymptomen
  • Gesteigertes Risiko an einer Thrombose zu leiden
  • Erhöhtes Durchblutungsstörungsrisiko

Wie erkennen Mediziner eine Polyglobulie?

Anhand eines kleinen Blutbildes diagnostizieren Mediziner meist eine Polyglobulie. Dies geschieht, wenn:

  • Die Menge an Hämoglobin im Blut zu hoch ist.
  • Die Erythrozyten-Anzahl ( Polycythaemia vera) zu hoch ist.
  • Der Hämatokrit-Wert erhöht ist.
  • Auch der Retikulozyten-Wert wird hier meist kontrolliert, denn so erkennt der Arzt, ob es sich um eine akute Polyglobulie handelt oder ob diese bereits am Abklingen ist.

Was ist eine Primäre Polyglobulie?

Bei einer primären Polyglobulie kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung der Blutstammzellen innerhalb des Knochenmarks. Mediziner nennen dies auch Polyzythämie. So gehört diese zu den sogenannten myeloproliferativen Erkrankungen. Oftmals sind es ältere Menschen, die von diesem Krankheitsbild betroffen sind.

Was ist eine sekundäre Polyglobulie?

Kommt es durch einen Sauerstoffmangel zu einer vermehrten Herstellung von Erythrozyten sprechen Mediziner von einer sekundären Polyglobulie, welche ebenso als Erythrozytose bezeichnet werden kann. In diesem Fall ist es letztendlich meist die Niere, die für diese Erkrankung verantwortlich ist. Kommt es im Körper zu einem Sauerstoffmangel produziert diese vermehrt das Hormon Erythropoetin und gibt dieses dann ins Blut ab. Dieses Hormon wiederum regt das rote Knochenmark dazu an neue Erythrozyten zu bilden.

Um herauszufinden, warum jemand an einer Polyglobulie leidet, gilt es demnach festzustellen, warum es im Körper zu einem Sauerstoffmangel gekommen ist. Oftmals handelt es sich hier um Erkrankungen der Lunge, so dass auch das Rauchen eine Polyglobulie auslösen kann.

Was ist eine Pseudopolyglobulie?

Bei einer sogenannten Pseudoglobulie ist es nicht die vermehrte Produktion von Erythrozyten, die dafür verantwortlich ist. Hier findet sich die Ursache in einer Verschiebung des Hämatokrits  aufgrund äußerer Umstände. Diese können, beispielsweise starke Verbrennungen oder auch eine Austrocknung sein.

Aufgrund einer Notlage kommt es demnach zu einer Abgabe von Flüssigkeit aus dem Blutplasma in bestimmte Organe. Infolgedessen steigt dann der Blutzellenanteil im Verhältnis zum Blutplasma. Demnach handelt es  sich hier nicht um eine Erythrozyten-Überproduktion und somit um eine echte Polyglobulie.

Wie wird eine Polyglobulie behandelt?

Dadurch, dass eine Polyglobulie, erzeugt durch zu viele Erythrozyten, das Blut dickflüssiger werden lässt, steigt hier das Risiko an Durchblutungsstörungen, Thrombose, Schlaganfall, wie Herzinfarkt zu erkranken. Zur Blutverdünnung wird dem Betroffenen daher als Erstmaßnahme bei einem Aderlass Blut entnommen.

Dieses wird anschließend durch Flüssigkeit ersetzt. Wer hingegen an einer sekundären Polyglobulie leidet, kann außerdem davon ausgehen, dass die Ursache des befindlichen Sauerstoffmangels behandelt bzw. beseitigt wird.

Bei der Polyzythämie senken oftmals Aderlässe und eine Therapie mit Alpha-Interferon und/oder Hydroxyharnstoff die Zellenanzahl meist über Jahre. So handelt es sich beim Letztgenannten zwar um ein Zytostatikum, dennoch gilt diese Behandlung als gut verträglich.

Fazit:

Befinden sich im Blut im Verhältnis zum Blutplasma zu viele Blutzellen bezeichnen Mediziner dies als Polyglobulie. Sind hier hingegen ausschließlich vermehrt Erythrozyten zugegen, sprechen die Experten von einer Polyzythämie. Letzteres sorgt dann dafür, dass das Blut dickflüssiger wird. Dies wiederum erhöht die Reibung in den Blutgefäßen und sorgt dafür, dass das Herz stärker arbeiten muss. Atemnot bei geringer Belastung, Herzkrämpfe, Durchblutungsstörungen im zentralen Nervensystem, sowie häufiges Auftreten von Kopfschmerzen gelten hier als typische Symptome.

Infolgedessen kann es dann zu Bluthochdruck kommen und das Risiko an einer Thrombose, einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt, sowie an Durchblutungsstörungen zu erkranken, steigt rapide an. Experten unterscheiden hier außerdem zwischen einer primären und einer sekundären Polyglobulie. Beim Erstgenannten handelt es sich um eine unkontrollierte Blutstammzellenvermehrung im Knochenmark. Beim Zweitgenannten hingegen kommt es wegen einem Sauerstoffmangel zu einer vermehrten Erythrozyten-Anzahl. Außerdem gibt es dann noch die Pseudopolyglobulie. Hier handelt es sich um eine Verschiebung des Hämatokrits ausgelöst durch äußere Umstände.


Weiterführende Links und Quellen:

FAQ

Wie gefährlich ist eine Polyglobulie?

Die Polyglobulie, auch bekannt als Polyzythämie, ist eine Erkrankung, bei der es zu einer erhöhten Anzahl von roten Blutkörperchen im Blut kommt. Sie kann potenziell gefährlich sein, da sie zu einer Verdickung des Blutes führt. Dadurch wird die Durchblutung erschwert, was das Risiko von Komplikationen wie Thrombosen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen erhöhen kann. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind wichtig, um potenzielle Risiken zu minimieren.

Was ist die Ursache für zu dickes Blut?

Die Hauptursache für zu dickes Blut, also eine erhöhte Viskosität, ist in den meisten Fällen eine Polyglobulie. Dabei produziert der Körper zu viele rote Blutkörperchen, was zu einer erhöhten Anzahl im Blut führt. Dies kann verschiedene Gründe haben, darunter genetische Veranlagungen, chronische Erkrankungen wie Nierenprobleme oder Lungenkrankheiten, sowie bestimmte Medikamente. Eine genaue Diagnose durch einen Arzt ist wichtig, um die genaue Ursache festzustellen.

Welche Krankheiten kann man haben, wenn man zu viele rote Blutkörperchen hat?

Wenn eine Person zu viele rote Blutkörperchen hat, kann dies auf verschiedene Krankheiten hinweisen. Eine häufige Ursache ist die Polyglobulie, wie bereits erwähnt. Diese kann wiederum mit anderen Erkrankungen assoziiert sein, wie z.B. chronischer Sauerstoffmangel, Nierenproblemen oder hormonellen Störungen. In einigen Fällen kann eine erhöhte Anzahl roter Blutkörperchen auch ein Symptom für bösartige Tumore im Knochenmark oder in den Nieren sein. Es ist wichtig, eine gründliche ärztliche Untersuchung durchzuführen, um die genaue Ursache festzustellen und die entsprechende Behandlung einzuleiten.

Was tun gegen Polyglobulie?

Die Behandlung der Polyglobulie zielt darauf ab, die Anzahl der roten Blutkörperchen im Blut zu normalisieren und die Viskosität des Blutes zu reduzieren. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden, abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. In einigen Fällen kann es notwendig sein, regelmäßig Blut abzulassen, um die Blutzellenzahl zu senken. Bei anderen Patienten können Medikamente verschrieben werden, um die Blutbildung zu regulieren oder das Blut zu verdünnen. Die genaue Behandlung sollte in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Wie merkt man, wenn man zu dickes Blut hat?

Es gibt verschiedene Symptome, die auf eine erhöhte Viskosität des Blutes hinweisen können. Dazu gehören unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen und ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome unspezifisch sein können und auch bei anderen Erkrankungen auftreten können. Eine genaue Diagnose kann nur von einem Arzt gestellt werden, der eine umfassende Anamnese und Untersuchung durchführt.

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