Weißkittelhypertonie – Phänomen in der Arztpraxis

Blutdruck messen tut nicht weh, dauert nicht lange und gehört bei vielen Arztbesuchen zum Routine-Programm. Doch wie aussagekräftig ist die Blutdruck-Messung in der Arztpraxis? Forscher gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent der Patienten, bei denen Bluthochdruck diagnostiziert wird, gar keine erhöhten Werte aufweisen. Der Blutdruck steigt bei ihnen allein durch die Umgebung der Praxis an. Wir erklären Ihnen alles Wichtige zur sogenannten Weißkittelhypertonie.

Was ist Bluthochdruck?

Unter Bluthochdruck versteht man, wenn der gewöhnliche Blutdruck in den Arterien des Körpers dauerhaft erhöht ist, also über Werte von 140 / 90 mmHg steigt. In gut 95 Prozent der Fälle handelt es sich um den sogenannten primären Bluthochdruck, der durch viele Faktoren zustande kommen kann. Häufig spielt neben einer genetischen Veranlagung ein ungesunder Lebensstil eine Rolle. Zum Thema, wie Sie Ihre Gefäße, Ihre Muskeln und Gelenke fit halten können, gibt es einiges zu wissen. Umfangeiche Tipps finden Sie hier .

Nur bei fünf Prozent der Bluthochdruck-Patienten löst eine andere Krankheit den Bluthochdruck aus. In diesem Fall liegt eine sekundäre Hypertonie vor.

Was ist die Weißkittelhypertonie?

Was aber, wenn Ihr Blutdruck zuhause im Normbereich liegt und nur in der Arztpraxis zu hoch ist? Mediziner sprechen in diesem Fall von einer Weißkittelhypertonie, auch Praxishochdruck oder Weißkitteleffekt genannt. Hierbei steigen die Blutdruckwerte wenige Minuten, nachdem ein Patient die Praxis betreten hat. Weitere Anzeichen dafür, dass kein dauerhafter Bluthochdruck, sondern eine Weißkittelhypertonie vorliegt, sind:

• Der Arzt stellt in der Praxis einen leichten Bluthochdruck (Hypertonie Grad 1 fest).
• Der Patient hat ein niedriges kardiovaskuläres Gesamtrisiko (ein geringes Risiko, an Herz-Kreislaufbeschwerden zu erkranken).
• Es lassen sich keine Folgeerkrankungen wie Augen- oder Nierenprobleme feststellen.

Dies alles können Hinweise darauf sein, dass der Patient an einer Weißkittelhypertonie leidet. Die Gefahr bei einer Weißkittelhypertonie besteht darin, dass der Patient blutdrucksenkende Medikamente verschrieben bekommt, die er vielleicht gar nicht benötigt. Wieso bei manchen Menschen der Blutdruck beim Arzt zu hoch ist, ist noch nicht eindeutig geklärt.

Als Gründe vermuten Ärzte:

• die Angst vor einer schlechten Diagnose oder
• die Anspannung aufgrund früherer (negativer) Erfahrungen bei Untersuchungen.

Als besonders gefährdet für den Weißkitteleffekt sind Menschen, deren Angehörige bereits einen Bluthochdruck entwickelt haben.

Ist der Weißkitteleffekt harmlos?

Früher galt die Weißkittelhypertonie als Sonderform des Bluthochdrucks. Mediziner gingen davon aus, dass selbst, wenn der Bluthochdruck zuhause im Normbereich liegt, es früher oder später auch dort zu erhöhten Werten kommen wird. Inzwischen ist man geteilter Meinung. Zwar kann sich aus einer Weißkittelhypertonie auch eine dauerhafte Hypertonie entwickeln, es muss aber nicht dazu kommen. Einige Ärzte sprechen sich deshalb dafür aus, statt dem Begriff Weißkittelhypertonie die Bezeichnung Weißkitteleffekt zu verwenden.

Weißkitteleffekt im Alter gefährlicher

Interessant ist, dass die Prognose für verschiedene Personengruppen unterschiedlich aussieht. Patienten über 60 Jahren mit einem zu hohen Blutdruck beim Arzt haben Studien zufolge ein höheres Risiko, später an Herz- Kreislaufproblemen zu erkranken. Bei jüngeren Menschen geht der Weißkitteleffekt nicht mit einem erhöhten Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen einher.

Da sich jedoch aus einem Weißkitteleffekt auch ein dauerhafter Bluthochdruck entwickeln kann, sollten Betroffene ihren Blutdruck mit Selbstmessungen zuhause kontrollieren. Entsteht dann der Verdacht auf eine Hypertonie, sollten Patienten sich nicht scheuen, vom Arzt eine Blutdruck-Langzeitmessung zu verlangen.

Weißkittelhypertonie – Phänomen in der Arztpraxis
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Autor: Robert Milan

Der Autor: - Seit 2005 Experte im Bereich gesundheitliche Ernährung und Nahrungsergänzung. Als langjähriger Medizinautor entsprechen seine Inhalte dem aktuellen medizinischen Wissensstand und begründen sich ebenfalls auf ärztliche Fachliteratur und der aktuellen medizinischen Leitlinie.
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