Reninhemmer – Wirkung und Anwendung

Vor der Jahrtausendwende wurden vornehmlich ACE-Hemmer und AT-Blocker zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt. Diese beiden Substanzen entfalten ihre Wirkung über das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System).

Seit im 2007 erstmalig in den USA Aliskiren als neue Substanz zur Hemmung des RAAS zugelassen wurde, steht damit ein weiterer und neuer Reninhemmer mit einem neuen Wirkprinzip zur Behandlung der Hypertonie zur Verfügung.


Was sind Reninhemmer?

Das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System) reguliert den Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt im Körper und beeinflusst damit ganz entscheidend den Blutdruck. Das RAAS besteht aus verschiedenen Komponenten, die alle in einer engen Wechselbeziehung zueinanderstehen. Renin ist in diesem Prozess ein wichtiges Enzym, welches in den Nieren produziert wird. Es spaltet Angiotensinogen in Angiotensin I, welches im weiteren Ablauf des RAAS in Angiotensin II überführt wird.

Das Angiotensin II bewirkt eine vermehrte Ausschüttung des Hormons Aldosteron, welches für eine Rückhaltung von Natrium und Wasser in der Niere sorgt. Angiotensin II wirkt sich blutdruckerhöhend aus, da es in diesem Kreislauf für eine Verengung der Blutgefäße und eine Steigerung des Volumens innerhalb der Gefäße sorgt. Reninhemmer binden sich an das Enzym Renin und verhindern so die Umwandlung von Angiotensinogen in Angiotensin I.

Wie wirken Reninhemmer?

Das Hormon Aldosteron wird auch als „Salzhormon“ bezeichnet, denn es beeinflusst den Flüssigkeitshaushalt des Körpers und damit auch Natrium- und Kaliumhaushalt nachhaltig. Daher beeinflusst Aldosteron auch den Blutdruck.

In der Niere wird Natrium zurückgehalten und mit dem Urin wird Kalium ausgeschieden. Ein Reninhemmer wirkt auf das Hormon Renin ein und sorgt so dafür, dass weniger Natrium in der Niere zurückgehalten wird und somit weniger Kalium mit dem Urin ausgeschieden wird. Dabei gilt es je nach Präparat zwischen Reninhemmern zu unterscheiden, die das gesamte RAAS-System blockieren und denen die lediglich die Produktion des Hormons Renin beeinflussen. Letztere sind erst seit 2007 auf dem Markt und gelten daher als die jüngste Generation der Reninhemmer.

Diese Präparate hemmen selektiv nur das Enzym Renin und verhindern so die Umwandlung von Angiotensinogen in Angiotensin I. Daher fällt der Angiotensin II Spiegel sowie der Spiegel von Aldosteron ab. Die Reninkonzentration nimmt zwar unter der Einnahme von Reninhemmern zu, doch die Aktivität des Renins nimmt ab. Diese Wirkungsweise ist der größte Unterschied zwischen Reninhemmern und ACE Hemmern oder AT II Blockern.

Die Anwendung von Reninhemmern

Reninhemmer kommen vornehmlich bei einer Hypertonie in Frage, die dadurch zustande kommt, dass die Nebenniere zu viel Aldosteron produziert. Von dieser Form der Hypertonie ist rund die Hälfte aller Blutdruckpatienten betroffen. Bei einer weiteren Form der Hypertonie, die mit Reninhemmern behandelt werden, produziert die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) zu viel CTH (adrenocorticotropes Hormon). Dieses regt wiederum die Nebenniere zu einer vermehrten Bildung von Aldosteron an, die durch die Einnahme von Reninhemmern reguliert werden kann, sodass sich der Blutdruck senkt.

Reninhemmer müssen zur Blutdrucksenkung regelmäßig eingenommen werden. Die Einnahme sollte möglichst immer zur gleichen Tageszeit erfolgen. Dabei gilt es zu beachten, dass der Wirkstoff weniger gut vom Körper aufgenommen wird, wenn die Nahrung besonders fettreich ist. Fettreiche Nahrungsmittel sollten daher unter der Einnahme von Reninhemmern nur in Maßen zu sich genommen werden.

Reninhemmer sind aufgrund ihrer vom Fettgehalt der Nahrung abhängigen Verfügbarkeit für den Körper eine relativ schlecht steuerbare Substanz zur Blutdrucksenkung und werden daher häufig in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Präparaten verabreicht.

Die Nebenwirkungen von Reninhemmern

Reninhemmer beeinflussen den Flüssigkeits- und Enzymhaushalt des Körpers und wirken sich blutdrucksenkend aus. Dennoch kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Zu den am häufigsten vorkommenden Nebenwirkungen gehören Diarrhöen. Bislang konnten bei klinischen Tests zur Verträglichkeit von Reninhemmern zwar keine Schleimhautveränderungen im Dickdarm der Patienten festgestellt werden, doch ist bis heute medizinisch noch nicht abschließend nachgewiesen, dass Reninhemmer sich nicht negativ auf die Dickdarmschleimhaut auswirken könnten.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung von Reninhemmern ist Husten. Zwar tritt unter der Einnahme von Reninhemmern Husten seltener auf, als etwa bei der Einnahme von ACE Hemmern, werden beide jedoch in Kombination eingenommen, gehört ein unerwünschter Husten zu den häufig vorkommenden Nebenwirkungen von Reninhemmern. Weitere Nebenwirkungen von Reninhemmern können sein:

Bei Diabetes mellitus, Angioödemen und einer beeinträchtigten Nierenfunktion sollte von einer Einnahme vom Reninhemmern grundsätzlich abgesehen werden. Auch Jugendliche und Schwanger sollte auf die Einnahme verzichten.

Welche Präparate gibt es?

Reninhemmer beinhalten die Substanz Alisikiren. Ursprünglich wurde das Präparat zur Senkung des Blutdrucks in den USA von dem Hersteller Novartis unter dem Namen Rasilez auf den Markt gebracht. Nachdem das Präparat zunächst auf dem amerikanischen Markt zugelassen wurde, kam es schon bald auch auf den europäischen Markt. Mittlerweile sind diverse Medikamente mit dem Wirkstoff oder dem Bestandteil Aliskiren von verschiedenen Herstellern hinzugekommen. Weitere Herstellerfirmen sind:

  • Axicorp Pharma
  • Berangena Arzneimittel
  • CC-Pharma
  • Eurim-Pharm Arzneimittel
  • European Pharma
  • kohlpharma
  • Milinda
  • Orifarm

Insgesamt gibt es derzeit 45 verschiedene Präparate auf dem Markt, die sich in der Dosierung von Aliskiren oder/und dem Zusatz weiterer Wirkstoffe unterscheiden.

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Lili Nuß

Lili Nuß ist Geprüfte Industriemeisterin IHK - Fachrichtung Pharmazie und Chemielaborantin, Fachbereich Analytik. In ihrer langjährigen beruflichen Praxis bei Warner Lambert und Pfizer in Freiburg, war sie unter anderem für die Qualitätskontrolle der Wirkstoffe und Hilfsstoffe zuständig. Lili Nuß ist unsere Fachfrau für Pharmazie, Chemie, Analytik und Medikamentenkunde.

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